Der Winter 2018/19

von Anna & Wolfgang / am 12.08.2019 / in Allgemein

Die Reise der Ithemba

Die Ithemba

Die Ithemba ist eine Segelyacht aus der Bavaria Werft in D- Gibelstadt, es handelt sich dabei um eine 1998 gefertigte 38 Ocean. Bavaria versuchte damals eine Serie aufzulegen, welche nicht nur in der Optik sehr stark an die Yachten der Hallberg Rassey Werft erinnern. Auch die verarbeiteten Materialien und die Verarbeitung selbst, die Austattung, die Segeleigenschaften und auch das Rigg sollten von sehr guter Qualität sein. Ein Schiff dieser Wertigkeit erwartete man als Kunde von Bavaria wohl nicht. Der Kalkulation waren wohl letztendlich höhere Stückzahlen zu Grunde gelegt, die Serie wurde bereits 2002 wieder eingestellt.

Herr MD

Der Vorbesitzer unserer Yacht hat beruflich gebrauchte LKW’s verkauft, hätte vielleicht eine Warnung sein können. Bereits die Übergabe funktionierte eigentlich gar nicht. Das Boot hat eine sehr gute Ausstattung wie z.B. einen Generator, Watermaker, unterschiedliche Möglichkeiten der Beheizung und Aircondition, eigentlich vieles zu erklären. MD ist jedoch ein äußerst schwieriger Mensch, teilweise nur schwer zu ertragen, letztendlich waren wir froh, als er von Bord gegangen war. Manches konnte er auch nicht erklären, im Vorfeld wären einige Dinge zu erneuern gewesen (z.B. die Membranen des Watermakers). So funktionierte an unserem Schiff so manches nicht, darunter eben auch das Radar. Drei unabhängige Spezialisten haben versucht das Gerät ans Laufen zu bringen, es wollte nicht klappen. Aber bei unseren Nebelfahrten im Ärmelkanal und der Bretagne hätten wir es gut brauchen können. Als wir von Porto weg sind sahen wir nach kurzer Zeit noch 30 Meter, ein darstellendes Radar wäre gut gewesen, hier im Winterlager sollte es gewechselt werden. Auch der alte Simrad Plotter, er funktionierte zwar, war aber bei 80% der üblichen Sonneneinstrahlung kaum abzulesen. Das alles sollte während des Winterlagers abgearbeitet werden.

Vom Personal in Termunterzijl erfuhren wir dann auch, dass das Schiff bereits einige Jahre nicht mehr aus dem Wasser gekommen sei, hin und wieder sollte der Rumpf jedoch die Möglichkeit bekommen, ordentlich austrocknen zu können. Das hat uns der Vorbesitzer MD jedoch nicht sagen wollen, er garantierte, dass das Unterwasserschiff komplett in Ordnung sei.

Dummer Weise hat MD seine kompletten Unterlagen, welche sich auf so ziemlich alle  Aktivitäten seiner „Dream“ ,so hatte er das Boot getauft, auf der Yacht zurückgelassen. Wir fanden sie in einer Box in welcher die Bedienungsanleitungen aufbewahrt waren. Vielleicht helfen sie uns noch eines Tages. Dann, wenn es um eine nachträgliche Reduzierung des Kaufpreises gehen soll. Denn MD hat nicht nur uns über den Tisch gezogen, diverse Versicherungen haben so manchen Schaden ausgeglichen, welche wahrscheinlich nie repariert wurden. Dazu gehört beispielsweise eine Grundberührung aus dem Jahr 2016. Für sie wurde ein Kostenvoranschlag einer Werft in Höhe von über 12000.-€ mit der Versicherung abgerechnet. Ob der Schaden behoben wurde kann nicht geklärt werden, uns wurde er jedenfalls wie viele andere Schäden in dieser Höhe trotz mehrfacher Nachfrage verschwiegen.

Die Reise der Ithemba Teil I

Den ersten Teil der Reise, er führte 2018 von Termunterzijl in den Niederlanden, das kleine Dörfchen liegt an der Emsmündung, über die Nordsee, den Ärmelkanal entlang der Atlantikküste bis nach La Rochel, quer über die Biskaya hinab nach Bilbao. Von dort folgten wir erneut der Atlantikküste bis hinab nach Portimao an der schönen Algarve. Eine Reise mit sehr vielen Eindrücken und Abenteuern, Tiedenhüben von bis zu 14 Metern, tollen Bildern phantastischer Küstenlandschaften und wunderschöner Hafenstädte.

Die Reise der Ithemba Teil II

Der zweite Teil unserer Reise beginnt schon vor unserer Abreise aus Portugal am 24.10.2018, denn einerseits muss das Winterlager vorbereitet werden und zum anderen gibt es so einige Dinge die über die Pause hinweg erledigt sein sollen. Unsere Recherchen in Bezug auf professionelle Werftunternehmen haben uns  im Vorfeld der Winterpause zu Vasile und seinem Betrieb „Slick Hull“ geführt. Er ist als Franchise- Unternehmer in der Werft „Estaleiro da Marina de Portimão“ einquartiert und  wurde uns bereits in Baiona von Jan und Ria, den beiden Belgiern, empfohlen. Auch in der Marina Portimao, ihr gehört die Werftanlage, haben wir nur positives gehört. Und so managt Vasile, er ist eigentlich Rumäne, alle Vorbereitungen in Bezug auf das Kranen und Stellen des Bootes an Land.

Wie der Name „Slick Hull“ vermuten lässt, ist Vasile mit seinen Leuten in erster Linie rund um den Bootsrumpf beschäftigt. Da liegt es natürlich nahe dass er den Landgang des Bootes organisiert und begleitet, denn Aufgaben wie das Erneuern des Antifouling und das Polieren des Rumpfes können nicht unternommen werden, solange das Boot im Wasser liegt. So hat Vasile den ersten Kontakt zum Eigner und vermittelt alle Handwerker, welche zusätzlich zu seinen Arbeiten notwendig sind. So entstand für uns der erste Kontakt zu Francisco und zumindest der Hinweis auf den INOX Spezialisten Paul. Francisco ist Portugiese, stammt aus Lissabon und lebt und arbeitet mit Frau und Katze in Portimao, der Sohn studiert in Frankfurt und Heidelberg etwas mit Molekularbiologie. Paul ist Engländer, lebt aber bereits seit 12 Jahren hier in Portimao, er hat sich die Mentalität der Portugiesen sehr gut angeeignet, zum Teil noch brillant ausgebaut. ihn lernen wir aber erst im April 2019 kennen.

Das Boot ging also am 24.10. aus dem Wasser, es steht von Stelzen und Kanthölzern gesichert in der Werft. Ein grandioser Blick auf den Fluss, die Marina und die Stadt tut sich auf. Wir verbringen den letzten Abend an Deck und sind mit dem Standort nicht so sehr unzufrieden. Wir stellen uns vor, die Ithemba würde irgendwo zwischen den vielen anderen Schiffen auf dem Platz stehen, vielleicht sogar in der Nähe der am Gelände vorbeiführenden Hauptstraße nach Portimao und der damit verbundenen Geräuschkulisse! Nein, hier passt das wirklich super gut: Toller Ausblick, verhältnismäßig ruhig und nicht mitten drin, alles gut!

Der Winter kommt, wir besuchen die Messe und holen so erste Informationen zu den geplanten Erneuerungen bzw. Ergänzungen ein. Die Ithemba ist 20 Jahre alt, das gilt auch für das Zubehör wie Navigation, Radar und Windgenerator. Das Radar hat nie wirklich funktioniert und der Windgenerator benötigt 15 Knoten Wind bevor er mit seinem Job beginnt. Bläst es dann etwas heftiger vibriert das ganze Schiff. Der Generator nutzt es ähnlich einem Kontrabass als Verstärker und sorgt so dafür, dass man nachts kein Auge mehr zumacht, nachdem man von der beeindruckenden Geräuschkulisse geweckt wurde. Dann produziert er zwar auch Ladestrom für die Batterien, aber den Zenit hat er längst überschritten. Wir wollen eben auch einmal  autark ein paar Tage am Stück in einer Bucht am Anke hängen, ohne dass die Batterien die Grätsche mache weil sie das Bier im Kühlschrank auf Temperatur halten sollen. In solchen Fällen sucht man eben nicht von Starkwind geplagte Orte sondern eher geschützte, zum Chillen geeignete Plätze. Und da läuft der Vogel nicht. Es braucht also noch einen zusätzlichen Energieproduzenten, wir haben uns für Solarzellen entschieden.

Zudem haben wir uns für das Auswechseln der Navigation entschieden, die ist sehr gut mit dem neuen Radar zu koppeln. Wir entscheiden uns für Raymarine, da lassen sich auch die bestehenden Geräte wie Windmesser, Logge und Autopilot mit einpflegen. Der neue Windgenerator wird von „Superwind“ kommen, leise und leistungsstark. Die Solarzellen beziehen wir aus Freiburg, zwei Module mit jeweils 110W Leistung.

Zurück zum Boot, es steht also seit dem 24.10.2018 auf Land, es soll Zeit haben auszutrocknen. Ein neues Antifouling ist fällig, wir entscheiden uns für das teurere CopperCoat. Der Vorteil ist, dass man bis zu 10 Jahren Ruhe hat, normale Antifoulings müssen nach 1 ½ Jahren erneuert werden. Ein weiterer Vorteil: Alle Anstriche etc. müssen restlos entfernt werden, also kein Risiko in Bezug auf nichtkompatible Materialien im Unterbau.

Wir erteilen im November den Auftrag an Vasile, er beginnt relativ schnell mit dem Job. Und dann kommt die Hiobsbotschaft: Unser Schiff hat Osmose! Der Alptraum eines jeden Eigners, Osmose bedeutet zeit und Geld. Wir müssen uns auf eine Pause von mindestens 6 Monaten einstellen. Uns ist zunächst das Gesicht eingefroren, aus der „Dream“ wurde unser Alptraum.

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